Cheat Days: Helfen sie wirklich beim Abnehmen? (Scoping Review 2025)

Veröffentlicht: 31. Januar 20268 Min. Lesezeit

Die Wahrheit über Cheat Days: Was sagt die Wissenschaft zu Stoffwechsel-Boost, Muskelerhalt und psychologischen Effekten? Ein aktueller Scoping Review klärt auf.

Cheat Days: Helfen sie wirklich beim Abnehmen? (Scoping Review 2025)

TL;DR

  • Cheat Days/Meals sind kurze Pausen vom Kaloriendefizit mit uneingeschränktem Essen
  • Stoffwechsel-Boost? Die Evidenz ist gemischt – kein klarer Beweis, dass Cheat Days den Stoffwechsel "ankurbeln"
  • Psychologischer Effekt: Kann helfen (weniger Hunger, mehr Zufriedenheit) – ABER nur wenn richtig geframt
  • Gefahr: Als "Belohnung für Verzicht" können Cheat Days Essstörungsverhalten fördern
  • Fazit: Geplante Diätpausen mit Kalorien-Ziel (Refeeds) sind wissenschaftlich besser belegt als unkontrollierte Cheat Days

Was ist ein Cheat Day eigentlich?

Der Begriff "Cheat Day" (oder Cheat Meal) beschreibt eine kurze Pause vom Kaloriendefizit, in der du essen darfst, was und wie viel du willst – ohne Tracking, ohne schlechtes Gewissen.

Es gibt wichtige Unterschiede zu verwandten Konzepten:

StrategieDauerKalorien-Ziel
Cheat Meal1 MahlzeitKein Ziel (ad libitum)
Cheat Day1 ganzer TagKein Ziel (ad libitum)
Refeed1-3 TageDefiniertes Ziel (Erhaltung oder +5-10%)
Diet Break4+ Tage bis WochenDefiniertes Ziel (Erhaltung)

Der entscheidende Unterschied: Bei Cheat Days gibt es kein Kalorien- oder Makro-Ziel. Du isst einfach, worauf du Lust hast.


Die Behauptungen: Was soll ein Cheat Day bringen?

In Fitness-Communities werden Cheat Days oft als magische Lösung verkauft:

  1. "Boosted den Stoffwechsel" – Der Körper soll aus dem "Hungermodus" geholt werden
  2. "Mentale Pause" – Psychologische Erholung von der Diät
  3. "Verhindert Muskelabbau" – Durch Kohlenhydrat-Auffüllung
  4. "Verbessert Trainingsleistung" – Durch volle Glykogenspeicher

Klingt gut. Aber was sagt die Wissenschaft?


Was die Forschung zeigt (Scoping Review 2025)

Ein aktueller Scoping Review (Nutrition Reviews, 2025) hat alle verfügbaren Studien zu Cheat Meals systematisch analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Stoffwechsel: Kein klarer Vorteil

"The evidence on the retention of lean mass, the attenuation of metabolic adaptation, or the improvement in exercise performance during weight reduction was mixed."

Übersetzt: Es gibt keinen eindeutigen Beweis, dass Cheat Days:

  • Die metabolische Anpassung verhindern
  • Muskelmasse besser erhalten
  • Die Trainingsleistung verbessern

Ja, der Stoffwechsel verlangsamt sich bei längerem Kaloriendefizit (metabolische Adaptation). Aber ob ein einzelner Cheat Day das signifikant beeinflusst? Unklar.

Gewichtsverlust: Ähnliche Ergebnisse

Die Studie von Davoodi et al. (2014) verglich:

  • Gruppe A: 11 Tage Defizit + 3 Tage "freies Essen"
  • Gruppe B: Kontinuierliches Defizit

Ergebnis: Beide Gruppen nahmen ähnlich viel ab. Die Cheat-Day-Gruppe hatte allerdings tendenziell einen stabileren Stoffwechsel (RMR blieb konstanter).

Psychologie: Hier wird's interessant

Der psychologische Effekt von Cheat Days hängt stark davon ab, wie du sie mental einordnest:

Positiv (wenn als geplante Strategie geframt):

  • Weniger Hungergefühl
  • Höhere Zufriedenheit
  • Bessere Diät-Adhärenz

Negativ (wenn als "Belohnung für Verzicht" geframt):

  • Kann Binge-Eating-Verhalten triggern
  • Verstärkt "Alles-oder-Nichts"-Denken
  • Fördert ungesunde Beziehung zum Essen

"Framing cheat meals as contradictory to one's goals or normalizing cheat meals as a form of reward for committing to a strict dietary regimen could be associated with the manifestation of eating disorder behaviors."

Das ist der kritische Punkt: Wenn du Cheat Days als "Sünde" betrachtest, für die du dich durch Verzicht "verdient" hast, kann das langfristig zu Essstörungen führen.


Das Problem mit #CheatMeal auf Social Media

Die Popularität von Cheat Days ist explodiert. Auf Instagram gibt es mittlerweile über 4,3 Millionen Posts mit dem Hashtag #cheatmeal (Stand: Dezember 2024).

Eine Studie mit über 2.000 kanadischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen fand: Mehr als die Hälfte hatte Cheat Meals öfter als einmal pro Woche.

Das Problem: Social Media zeigt dir Fitness-Influencer, die riesige Mengen Pizza und Burger essen – aber nicht die Realität dahinter:

  • Manche trainieren 3+ Stunden täglich
  • Manche essen den Rest der Woche extrem restriktiv
  • Manche haben genetische Vorteile
  • Manche posten nur die eine "spektakuläre" Mahlzeit, nicht den Rest des Tages

Refeed vs. Cheat Day: Der bessere Ansatz?

Die Forschung zu geplanten Diet Breaks und Refeeds ist deutlich positiver:

  • Diet Breaks (1-2 Wochen auf Erhaltungskalorien): Können die metabolische Adaptation reduzieren
  • Refeeds (1-3 Tage mit definiertem Kalorien-Ziel): Ähnlicher Effekt, kürzere Dauer

Der Unterschied zum Cheat Day: Du hast ein klares Ziel. Nicht "so viel wie möglich", sondern z.B. "Erhaltungskalorien" oder "+500 kcal mit Fokus auf Kohlenhydrate".

Das gibt dir:

  1. Kontrolle über die Situation
  2. Keine "Alles-oder-Nichts"-Mentalität
  3. Planbare Integration in die Diät

Wann Cheat Days problematisch werden

Warnsignale, dass deine Cheat Days ungesund sind:

  • Du "sparst" Kalorien für den Cheat Day
  • Du fühlst dich schuldig nach dem Cheat Day
  • Du versuchst, den Cheat Day durch extra Training "abzuarbeiten"
  • Du kannst beim Cheat Day nicht aufhören zu essen
  • Du denkst die ganze Woche nur an den Cheat Day
  • Cheat Days werden immer häufiger und größer

Wenn du mehrere dieser Punkte erkennst: Überdenke deine Strategie. Das ist kein gesundes Verhältnis zum Essen.


Praktische Empfehlung

Basierend auf der aktuellen Forschung:

Statt Cheat Days → Geplante Refeeds

  1. Plane 1-2 Tage pro Woche mit höheren Kalorien (nicht unbegrenzt, sondern z.B. +300-500 kcal)
  2. Fokus auf Kohlenhydrate (füllt Glykogenspeicher, gut fürs Training)
  3. Behalte Protein bei (schützt Muskelmasse)
  4. Kein "Binge" – du isst mehr, aber nicht unkontrolliert

Wenn du trotzdem Cheat Days machst:

  1. Frame es nicht als "Sünde" – es ist eine geplante Pause
  2. Setz eine grobe Obergrenze – "Ich esse heute mehr, aber nicht bis ich platze"
  3. Kein Kompensieren danach – morgen ist ein normaler Tag, kein "Straftag"
  4. Beobachte dein Verhalten – werden die Cheat Days extremer? Roter Alarm.

Fazit

Cheat Days sind weder Wundermittel noch Teufel. Die Wahrheit liegt dazwischen:

  • Stoffwechsel-Boost? Nicht bewiesen.
  • Muskelerhalt? Nicht bewiesen.
  • Psychologische Pause? Kann helfen – wenn richtig geframt.
  • Risiko für Essstörungen? Ja, bei falscher Einstellung.

Die bessere Alternative: Geplante Refeeds mit definiertem Kalorien-Ziel. Du bekommst die mentale Pause, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Und denk dran: Die beste Diät ist die, die du langfristig durchhalten kannst. Wenn dafür ein wöchentlicher Cheat Day nötig ist – okay. Aber beobachte dich selbst kritisch.


Letzte Aktualisierung: Januar 2026

Wissenschaftliche Quellen

  • [1]

    Tan JH, Pang ETC, et al.. "The Role of Cheat Meals in Dieting: A Scoping Review of Physiological and Psychological Responses." Nutrition Reviews, 2025.

  • [2]

    Davoodi SH, et al.. "Caloric restriction with or without time-restricted eating in weight loss." Journal of Research in Medical Sciences, 2014.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.

Erkenntnisse in die Praxis umsetzen?

Mit Mahlzait trackst du deine Ernährung einfach und schnell - damit du deine Ziele erreichst.

Jetzt Mahlzait laden!

Schnell, leicht und auch offline nutzbar – dein Kalorienzähler mit KI. Tracke Mahlzeiten in Sekunden und erreiche deine Ziele.

  • Bei Google Play herunterladen
  • Im App Store herunterladen
Mahlzait App Screenshot