Warum Gewicht halten so schwer ist - Was die Wissenschaft sagt

Veröffentlicht: 15. Januar 20258 Min. Lesezeit

Eine Analyse aktueller Forschung zu den Mechanismen hinter Weight-Loss Maintenance. Erfahre, warum der Körper sich gegen Abnehmen wehrt und was du dagegen tun kannst.

Du hast erfolgreich abgenommen - aber nach ein paar Monaten sind die Kilos wieder da. Kommt dir das bekannt vor? Du bist nicht allein. Die Wissenschaft zeigt: Gewichtsverlust zu halten ist biologisch eine völlig andere Herausforderung als das Abnehmen selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Abnehmen kämpft dein Körper aktiv gegen das neue Gewicht
  • Etwa 50% des verlorenen Gewichts wird innerhalb von 2 Jahren wieder zugenommen
  • Der Körper senkt den Energieverbrauch und steigert den Appetit - oft für Jahre
  • Verhaltensstrategien (z.B. konsequentes Tracking) können helfen, aber es bleibt eine Daueraufgabe
  • Bariatrische Chirurgie zeigt die besten Langzeitergebnisse, aber auch hier gibt es Rückfälle

Was wurde untersucht?

Diese Analyse basiert auf einem Symposium-Bericht des Pennington Biomedical Research Center, veröffentlicht 2023 in Obesity (Silver Spring). Führende Wissenschaftler fassten den aktuellen Forschungsstand zu den Mechanismen der Gewichtsstabilisierung nach Gewichtsverlust zusammen.

Das Paper ist kein einzelnes Experiment, sondern ein wissenschaftlicher Review - also eine Zusammenfassung vieler Studien. Das macht die Aussagen besonders robust, da sie auf breiter Evidenz basieren.


Kernerkenntnisse

1. Dein Körper hat ein "verteidigtes Gewicht"

Der Körper strebt ein bestimmtes Gewicht an und verteidigt es aktiv. Nach Gewichtsverlust aktiviert er Gegenmassnahmen:

"Despite successful weight loss, it has been shown that approximately half of the lost weight is gained back within 2 years and up to 70% by 5 years."

Das bedeutet: Innerhalb von 5 Jahren nehmen die meisten Menschen 70% des verlorenen Gewichts wieder zu - unabhängig davon, wie sie abgenommen haben.

2. Der Stoffwechsel passt sich an

Nach dem Abnehmen sinkt dein Energieverbrauch stärker, als durch den reinen Gewichtsverlust erklärbar wäre. Dieses Phänomen nennt sich metabolische Adaptation:

  • Der Grundumsatz (BMR) sinkt
  • Die Bewegungseffizienz steigt (du verbrauchst weniger Kalorien für dieselbe Aktivität)
  • Dieser Effekt kann jahrelang anhalten

3. Appetithormone spielen verrückt

Gewichtsverlust verändert die Hormonspiegel im Körper:

  • Leptin (Sättigungshormon) sinkt - du fühlst dich weniger satt
  • Ghrelin (Hungerhormon) steigt - du hast mehr Appetit
  • Diese Veränderungen bleiben oft bestehen, selbst wenn das Gewicht stabil bleibt

4. Das Gehirn reagiert anders auf Essen

Nach Gewichtsverlust reagiert das Belohnungssystem im Gehirn stärker auf Essensreize:

"In the obesogenic environment, these mechanisms are altered, leading to increased body weight and working against weight-loss management treatments."

Einfach gesagt: Essen wird verlockender, während du gleichzeitig weniger satt wirst.

5. Bariatrische Chirurgie ist nicht immun

Selbst nach Magenoperationen kommt es zu Gewichtszunahme:

"Nearly 50% of patients showing some weight regain 2 years following surgery and 60% by 5 years."

Allerdings bleibt der Gewichtsverlust nach OPs im Durchschnitt grösser als bei anderen Methoden.


Was heisst das praktisch?

Realistische Erwartungen setzen

  • Gewicht halten ist ein Daürprozess, kein einmaliges Ziel
  • Kleine Schwankungen sind normal und kein Versagen
  • Plane von Anfang an für die Erhaltungsphase

Tracking hilft nachweislich

Das Paper betont die Bedeutung von Selbstmonitoring:

"Self-regulation program for maintenance of weight loss" - Studien zeigen, dass regelmässiges Wiegen und Ernährungstracking die Langzeitergebnisse verbessern.

Genau hier kann eine App wie Mahlzait unterstützen: Durch einfaches Logging behältst du den Überblick, ohne dass es zur Last wird.

Bewegung ist entscheidend

Erfolgreich Gewicht Haltende zeigen konstant hohe körperliche Aktivität:

  • Nicht primär zum Kalorienverbrennen
  • Sondern um der metabolischen Adaptation entgegenzuwirken
  • Und um die Appetitregulation zu unterstützen

Umgebung gestalten

Die Forschung zeigt: In einer "obesogenen Umgebung" (überall verfügbares, kalorienreiches Essen) ist Gewicht halten besonders schwer. Was hilft:

  • Gesunde Lebensmittel griffbereit halten
  • Versuchungen reduzieren
  • Routinen etablieren

Limitationen und Einordnung

Wichtig zu wissen:

  • Die meisten Studien betrachten Durchschnittswerte - individülle Ergebnisse können stark variieren
  • Viele Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden
  • Genetik spielt eine Rolle, aber das Ausmass ist noch unklar
  • Die Forschung entwickelt sich weiter - neue Medikamente (z.B. GLP-1-Agonisten) zeigen vielversprechende Ergebnisse

Fazit

Wenn du nach dem Abnehmen wieder zunimmst, ist das kein persönliches Versagen - es ist Biologie. Dein Körper ist evolutionär darauf programmiert, Gewichtsverlust zu bekämpfen.

Das bedeutet nicht, dass Gewicht halten unmöglich ist. Aber es erfordert:

  1. Realistische Erwartungen
  2. Daürhafte Strategien (nicht nur "Diäten")
  3. Unterstützende Tools und Routinen
  4. Geduld mit dir selbst

Quellen

Hauptquelle: Flanagan EW, Spann R, Berry SE, Berthoud HR, Broyles S, Foster GD, et al. New insights in the mechanisms of weight-loss maintenance: Summary from a Pennington symposium. Obesity (Silver Spring). 2023 Dec;31(12):2895-2908. doi: 10.1002/oby.23905. PMID: 37794657.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.

Wissenschaftliche Quellen

  • [1]

    Flanagan EW, Spann R, Berry SE, et al.. "New insights in the mechanisms of weight-loss maintenance: Summary from a Pennington symposium." Obesity (Silver Spring), 2023.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.

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