Warum du im Restaurant mehr isst als du denkst (Studie 2023)
Restaurant-Portionen haben durchschnittlich 1.200 Kalorien – oft doppelt so viel wie gedacht. Warum wir so schlecht schätzen und was du dagegen tun kannst.
Warum du im Restaurant mehr isst als du denkst (Studie 2023)
TL;DR
- Restaurant-Portionen enthalten durchschnittlich ~1.200 Kalorien – oft doppelt so viel wie gedacht
- 92% der Restaurants in Studien überschreiten empfohlene Portionsgrößen massiv
- Fett ist der Hauptschuldige: Köche nutzen 3-5x mehr Butter/Öl als Hobbyköche
- Selbstüberschätzung: Menschen unterschätzen Restaurant-Mahlzeiten um ~30-50%
- Lösung: Vorher informieren, Portionen teilen, oder mit App gegenchecken
Das Problem: Wir haben keine Ahnung, was wir essen
Du sitzt im Restaurant, bestellst "Hähnchen mit Gemüse" – klingt gesund, oder?
Die Realität: Diese harmlos klingende Mahlzeit kann 800-1.200 Kalorien haben. Der Grund ist simpel: Restaurants kochen anders als du zuhause.
Eine systematische Analyse von über 300 Restaurant-Gerichten in verschiedenen Ländern zeigt ein konsistentes Muster:
| Restaurant-Typ | Ø Kalorien pro Hauptgericht | Empfohlen pro Mahlzeit |
|---|---|---|
| Fast Food | 750-900 kcal | 500-700 kcal |
| Casual Dining | 1.000-1.400 kcal | 500-700 kcal |
| Fine Dining | 800-1.100 kcal | 500-700 kcal |
| Lieferdienst | 900-1.300 kcal | 500-700 kcal |
Selbst "gehobene" Restaurants sind nicht besser – sie verwenden einfach andere Fette (Butter statt Frittieröl).
Warum Restaurant-Essen so kalorienreich ist
1. Fett = Geschmack (für Köche)
Professionelle Köche haben eine goldene Regel: "Fat is flavor."
Eine Analyse von Kochbüchern und Restaurant-Rezepten zeigt:
- Butter: 2-4 EL pro Portion (= 200-400 extra Kalorien)
- Öl zum Anbraten: Großzügig, nicht "1 TL" wie im Rezept
- Finishing: Nochmal Butter oder Öl am Ende für Glanz
Wenn du zuhause ein Steak brätst, nimmst du vielleicht 1 EL Öl. Der Koch nimmt 3 EL – und gibt am Ende nochmal Butter drüber.
2. Portionen sind aus dem Ruder gelaufen
Die durchschnittliche Restaurant-Portion ist seit den 1970ern um ~140% gewachsen:
- Bagel: Von 140 auf 350 kcal
- Pasta-Portion: Von 250g auf 450g
- Softdrink: Von 200ml auf 500ml+
Das Problem: Unser Gehirn passt sich an. Was früher "viel" war, ist heute "normal".
3. Versteckte Kalorien in "gesunden" Optionen
Die größten Fallen:
| "Gesunde" Option | Erwartung | Realität |
|---|---|---|
| Salat mit Dressing | 300 kcal | 700-900 kcal |
| Gegrillter Fisch | 400 kcal | 600-800 kcal |
| Gemüse-Bowl | 450 kcal | 750-950 kcal |
| Avocado-Toast | 350 kcal | 500-700 kcal |
Der Salat hat mehr Kalorien als der Burger – wegen Dressing, Croutons, Käse und kandierten Nüssen.
Wie stark unterschätzen wir?
Studien zur Kalorien-Schätzung zeigen konsistent:
Menschen unterschätzen Restaurant-Mahlzeiten um 30-50%.
Eine Studie mit 3.400 Teilnehmern fand:
- Durchschnittliche Schätzung: 660 kcal
- Tatsächlicher Gehalt: 1.030 kcal
- Differenz: 370 kcal (~36%)
Bei "gesunden" Restaurants ist der Effekt noch stärker – der Health Halo Effect:
Wenn ein Restaurant als "gesund" vermarktet wird (Subway, Salat-Bars), unterschätzen Gäste die Kalorien um bis zu 50%.
Die Psychologie dahinter
Licensing Effect
"Ich habe heute gesund bestellt, also kann ich mir das Dessert leisten."
Studien zeigen: Wer einen Salat bestellt, isst danach ~300 kcal mehr an Snacks/Desserts – weil er sich "erlaubt" fühlt.
Portionsverzerrung
Wenn du eine große Portion bekommst, isst du automatisch mehr. Das Gehirn nimmt die Portion als "Referenz" für eine normale Menge.
In einem berühmten Experiment aßen Probanden 73% mehr Suppe aus einer sich heimlich nachfüllenden Schüssel – ohne es zu merken.
Menü-Beschreibungen
"Hausgemachte Kräuterbutter" klingt besser als "100g Butter mit Kräutern". Die Beschreibung beeinflusst, wie "schwer" du das Essen einschätzt.
Was du praktisch tun kannst
1. Vorab informieren
Viele Ketten veröffentlichen Nährwerte online. Vor dem Restaurantbesuch checken – nicht danach, wenn die Reue einsetzt.
2. Portionen teilen
Restaurant-Portionen sind für ~2 Personen dimensioniert. Teilen ist:
- Günstiger
- Kalorien-freundlicher
- Sozial (Bonus)
3. Die "Half-Plate"-Regel
Bitte um einen extra Teller. Leg die Hälfte sofort zur Seite → Rest mitnehmen.
4. Vorsicht bei "Light"-Optionen
"Leichte Sommerküche" kann trotzdem 800+ kcal haben. Frag nach Zubereitungsart oder check mit der App.
5. Dressing/Soße separat
Das Dressing ist oft 50% der Kalorien eines Salats. Separat bestellen, selbst dosieren.
Was heißt das für dein Tracking?
Wenn du Kalorien trackst und regelmäßig auswärts isst, bist du vermutlich im Unter-Reporting:
- Restaurant-Einträge in Apps sind oft Mindestangaben
- "Hähnchen gegrillt" aus der Datenbank ≠ "Hähnchen gegrillt" im Restaurant
- Jedes Restaurant kocht anders
Pragmatische Lösung: Beim Restaurant-Essen pauschal +20-30% auf die App-Schätzung rechnen. Oder: Foto machen, KI schätzen lassen, kritisch hinterfragen.
Fazit
Restaurant-Essen ist kein Feind – aber es ist auch nicht das, was du denkst. Die Kombination aus großen Portionen, versteckten Fetten und psychologischen Effekten führt dazu, dass selbst "bewusste" Esser regelmäßig 300-500 kcal mehr aufnehmen als geplant.
Das bedeutet nicht, dass du nie wieder essen gehen sollst. Es bedeutet: Geh mit offenen Augen rein.
- Informiere dich vorher
- Hinterfrage "gesunde" Optionen
- Nutze Tools zum Gegenchecken
- Akzeptiere, dass Restaurant-Essen ein Kalorien-Plus ist – und plane entsprechend
Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern Bewusstsein.
Letzte Aktualisierung: Februar 2026
Wissenschaftliche Quellen
- [1]
Urban LE, Roberts SB, et al.. "Energy content of menus offered in fast food and sit-down restaurants." JAMA Internal Medicine, 2016.
- [2]
Urban LE, Dallal GE, et al.. "The accuracy of stated energy contents of reduced-energy, commercially prepared foods." Journal of the American Dietetic Association, 2010.


