Alternate-Day-Fasting: Was alternierendes Fasten wirklich bringt

Von Ruslan Adilgereev16. Juni 20267 Min. Lesezeit

RCT-Check: Alternierendes Fasten (Trepanowski 2017) nimmt nicht besser ab als tägliche Kalorienreduktion – bei höherer Abbruchquote (38 %).

Alternate-Day-Fasting (ADF), auf Deutsch alternierendes Fasten oder "10 in 2", verspricht, durch den Wechsel zwischen Fasten- und Essenstagen besonders effektiv abzunehmen. Doch hält dieses Versprechen einer wissenschaftlichen Prüfung stand? Die randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) zeichnen ein nüchternes Bild.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im bislang größten Vergleichs-RCT (Trepanowski 2017, 1 Jahr, n=100) war der Gewichtsverlust unter ADF nach 12 Monaten praktisch identisch mit täglicher Kalorienreduktion (ca. 6 % vs. 5,3 % – kein signifikanter Unterschied).
  • Die Abbruchquote unter ADF lag bei 38 Prozent gegenüber 29 Prozent bei kontinuierlicher Reduktion – alternierendes Fasten ist also schwerer durchzuhalten.
  • Eine Meta-Analyse von 11 RCTs (Cioffi 2018) findet keinen Vorteil von intermittierendem gegenüber kontinuierlichem Fasten beim Gewichtsverlust.
  • Der oft beworbene "Stoffwechselvorteil" zeigt sich in kontrollierten Studien nicht: Bei gleichem Kaloriendefizit ist das Ergebnis vergleichbar.
  • Entscheidend bleibt das gesamte Kaloriendefizit über die Woche, nicht das Timing der Mahlzeiten.

Was sagt die Wissenschaft?

Das Prinzip von ADF ist simpel: An "Fastentagen" wird auf etwa 0–25 Prozent des Energiebedarfs reduziert (oft rund 500 kcal), an "Essenstagen" wird normal oder nach Belieben gegessen. Die Hoffnung dahinter: Lange Fastenfenster sollen über hormonelle Effekte oder eine günstigere Fettverbrennung mehr bewirken, als die reine Kalorienrechnung erwarten lässt.

Der wichtigste Test dieser Hypothese stammt von Trepanowski und Kollegen (2017), veröffentlicht in JAMA Internal Medicine. In diesem einjährigen RCT wurden 100 metabolisch gesunde Erwachsene mit Adipositas auf drei Gruppen verteilt: alternierendes Fasten, tägliche Kalorienreduktion (–25 %) oder keine Intervention. Nach sechs Monaten Gewichtsabnahme und sechs Monaten Erhaltung war der Gewichtsverlust in beiden aktiven Gruppen statistisch gleich. Bemerkenswert: Die ADF-Gruppe hatte mit 38 Prozent eine höhere Drop-out-Rate als die Gruppe mit täglicher Reduktion (29 %). Außerdem aßen ADF-Teilnehmer an Fastentagen mehr als vorgegeben und an Essenstagen weniger – die Energiezufuhr glich sich also an die der kontinuierlichen Gruppe an.

Schon der frühere Pilot-RCT von Catenacci und Kollegen (2016) in der Fachzeitschrift Obesity hatte in dieselbe Richtung gewiesen: Über acht Wochen führte striktes (kalorienfreies) ADF zu vergleichbarem Gewichtsverlust wie tägliche Kalorienreduktion, ohne klaren metabolischen Mehrwert.

Verschwindet der Stoffwechselvorteil bei gleichem Defizit?

Genau das ist der Kern der Evidenz. Wenn man das Kaloriendefizit über die Woche konstant hält, gleichen sich die Ergebnisse an. Die systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Cioffi und Kollegen (2018) im Journal of Translational Medicine fasste 11 RCTs zusammen, die intermittierende Energierestriktion (darunter ADF) direkt mit kontinuierlicher Kalorienreduktion verglichen. Das Ergebnis: kein signifikanter Unterschied beim Gewichtsverlust und bei kardiometabolischen Markern. Beide Strategien wirken über denselben Mechanismus – ein Energiedefizit.

Der einjährige RCT von Sundfør und Kollegen (2018) bestätigt dies für die Praxis: Intermittierende und kontinuierliche Energierestriktion führten über zwölf Monate zu vergleichbarem Gewichtsverlust und ähnlichen Verbesserungen bei Blutdruck, Blutfetten und Nüchternblutzucker.

Was heißt das praktisch?

  • Wählen Sie die Methode, die Sie am ehesten dauerhaft durchhalten. ADF ist kein "Abkürzungs-Trick", sondern nur eine von mehreren Möglichkeiten, ein Kaloriendefizit zu erzeugen.
  • Wer an Fastentagen heißhungrig "überisst" oder an Essenstagen kompensiert, hebt den Effekt schnell auf – wie es auch in der Trepanowski-Studie beobachtet wurde.
  • Achten Sie unabhängig von der Methode auf ausreichend Protein, um Muskelmasse zu schützen. Den Protein-Bedarf und Ihre Makros können Sie überschlagen.
  • Kennen Sie Ihren tatsächlichen Bedarf: Mit dem Kalorienbedarf berechnen und dem Kaloriendefizit berechnen lässt sich ein realistisches Wochendefizit planen.
  • Sanftere Formen wie 16:8 sind für viele leichter umsetzbar – ein Intervallfasten-Rechner hilft beim Planen der Essensfenster.

Limitationen und Einordnung

Die Studienlage hat Grenzen. Viele ADF-Studien sind klein und kurz; selbst der Trepanowski-RCT umfasste nur 100 Personen. Die Teilnehmer waren überwiegend metabolisch gesunde Erwachsene mit Adipositas – Übertragbarkeit auf Menschen mit Typ-2-Diabetes oder andere Gruppen ist nicht automatisch gegeben. Adhärenz (Durchhalten) ist in allen Diätstudien die größte Stellschraube und schwer objektiv zu messen.

Wichtig ist auch: Diese Befunde sprechen nicht gegen intermittierendes Fasten als solches. Sie zeigen lediglich, dass ADF gegenüber einer klassischen, täglichen Kalorienreduktion keinen zusätzlichen Vorteil beim Abnehmen bringt – und für manche Menschen sogar schwerer durchzuhalten ist. Wer sich mit festen Essenspausen wohler fühlt, profitiert möglicherweise von der Struktur.

Fazit

Alternate-Day-Fasting ist eine legitime, aber keine überlegene Abnehmstrategie. RCTs wie Trepanowski 2017 und Meta-Analysen wie Cioffi 2018 zeigen übereinstimmend: Bei gleichem Kaloriendefizit ist der Gewichtsverlust mit ADF nicht größer als mit täglicher Kalorienreduktion – die Abbruchquote ist tendenziell sogar höher. Der entscheidende Hebel bleibt die Energiebilanz über die Zeit, nicht das Timing der Fastentage. Wählen Sie die Methode, die zu Ihrem Alltag passt und die Sie langfristig beibehalten können.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder vor größeren Ernährungsumstellungen sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wissenschaftliche Quellen

  • [1]

    Trepanowski JF, Kroeger CM, Barnosky A, et al.. "Effect of Alternate-Day Fasting on Weight Loss, Weight Maintenance, and Cardioprotection Among Metabolically Healthy Obese Adults: A Randomized Clinical Trial." JAMA Internal Medicine, 2017.

  • [2]

    Catenacci VA, Pan Z, Ostendorf D, et al.. "A randomized pilot study comparing zero-calorie alternate-day fasting to daily caloric restriction in adults with obesity." Obesity, 2016.

  • [3]

    Cioffi I, Evangelista A, Ponzo V, et al.. "Intermittent versus continuous energy restriction on weight loss and cardiometabolic outcomes: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials." Journal of Translational Medicine, 2018.

  • [4]

    Sundfør TM, Svendsen M, Tonstad S. "Effect of intermittent versus continuous energy restriction on weight loss, maintenance and cardiometabolic risk: A randomized 1-year trial." Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases, 2018.

Häufige Fragen

Nimmt man mit Alternate-Day-Fasting schneller ab als mit normaler Kalorienreduktion?
Nein. Im einjährigen RCT von Trepanowski (2017) war der Gewichtsverlust unter alternierendem Fasten praktisch identisch mit täglicher Kalorienreduktion. Eine Meta-Analyse von 11 RCTs (Cioffi 2018) bestätigt: Bei gleichem Kaloriendefizit gibt es keinen Vorteil beim Abnehmen.
Was bedeutet '10 in 2'?
'10 in 2' ist eine populäre Bezeichnung für alternierendes Fasten: Man isst einen Tag (in 2 = jeden zweiten Tag) und fastet bzw. reduziert stark am nächsten. Die '10' steht für '10 Stunden' bzw. das deutsche Wort 'zehn' als Wortspiel. Inhaltlich entspricht es dem Alternate-Day-Fasting.
Ist alternierendes Fasten schwer durchzuhalten?
Tendenziell ja. In der Trepanowski-Studie brachen 38 Prozent der ADF-Teilnehmer ab, gegenüber 29 Prozent bei täglicher Kalorienreduktion. Viele aßen an Fastentagen mehr als vorgesehen und kompensierten dadurch das Defizit teilweise.
Was ist an Fastentagen erlaubt?
Je nach Variante reicht das von null Kalorien (striktes ADF) bis etwa 25 Prozent des Tagesbedarfs (oft rund 500 kcal, 'modifiziertes ADF'). Wichtig: Was an Fastentagen eingespart wird, sollte nicht an Essenstagen wieder zugeführt werden, sonst entfällt das Wochendefizit.
Für wen ist ADF nicht geeignet?
Die Studien wurden überwiegend an metabolisch gesunden Erwachsenen mit Adipositas durchgeführt. Bei Typ-2-Diabetes, Medikamenteneinnahme, Essstörungen, Schwangerschaft oder Untergewicht sollte man vor einem Fastenprotokoll ärztlichen Rat einholen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deiner Gesundheit wende dich bitte an einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft. Mehr dazu in unseren redaktionellen Standards.

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