Abnehmshakes und Formula-Diäten: Was die DiRECT-Studie zeigt
DiRECT-RCT: Ärztlich begleitete Formula-Diät erreichte bei 46 Prozent eine Typ-2-Diabetes-Remission nach einem Jahr. Was Abnehmshakes können – und was nicht.
Abnehmshakes und Formula-Diäten haben einen zwiespältigen Ruf: für die einen Crash-Diät, für die anderen seriöses Medizinprodukt. Die DiRECT-Studie, eine der wichtigsten Untersuchungen zum Thema, liefert belastbare Daten – und ein differenziertes Bild.
Das Wichtigste in Kürze
- In der DiRECT-Studie (cluster-randomisiertes RCT, 298 Teilnehmer mit Typ-2-Diabetes) erreichten nach 12 Monaten 46 Prozent der Formula-Gruppe eine Diabetes-Remission – gegenüber 4 Prozent in der Standardversorgung.
- Die Remission hing direkt vom Gewichtsverlust ab: Wer 15 kg oder mehr verlor, erreichte zu 86 Prozent eine Remission; bei weniger als 5 kg waren es nur 7 Prozent.
- Der durchschnittliche Gewichtsverlust nach einem Jahr lag bei rund 10 kg in der Interventionsgruppe gegenüber etwa 1 kg in der Kontrollgruppe.
- Nach zwei Jahren bestand bei 36 Prozent der Interventionsgruppe weiterhin eine Remission – der Effekt nahm also ab, blieb aber deutlich über der Kontrolle.
- Die Shakes allein erklären den Erfolg nicht: Das Programm umfasste eine ärztlich begleitete Formula-Phase, eine strukturierte Wiedereinführung normaler Kost und langfristige Betreuung zur Gewichtserhaltung.
Was sagt die Wissenschaft?
Die DiRECT-Studie (Diabetes Remission Clinical Trial) wurde 2018 im Lancet veröffentlicht. Es handelt sich um ein cluster-randomisiertes kontrolliertes Studiendesign: 49 Hausarztpraxen in Schottland und England wurden randomisiert, ihre Patienten erhielten entweder das strukturierte Gewichtsmanagement-Programm oder die übliche leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eingeschlossen wurden 298 Personen mit Typ-2-Diabetes, der nicht länger als sechs Jahre bestand.
Das Interventionsprogramm bestand aus drei Phasen. Zuerst eine totale Mahlzeitenersatz-Phase: etwa drei bis fünf Monate eine Formula-Diät mit rund 825 bis 853 Kilokalorien pro Tag, ausschließlich aus Shakes und Suppen, bei gleichzeitigem Absetzen der Diabetes- und Blutdruckmedikamente. Danach folgte über zwei bis acht Wochen die schrittweise Wiedereinführung normaler Lebensmittel. Den Abschluss bildete ein langfristiges Programm zur Gewichtserhaltung mit monatlicher Begleitung.
Nach 12 Monaten zeigte sich der zentrale Befund: 46 Prozent der Interventionsgruppe befanden sich in Diabetes-Remission (definiert als HbA1c unter 6,5 Prozent ohne Diabetes-Medikamente), gegenüber nur 4 Prozent der Kontrollgruppe. Der durchschnittliche Gewichtsverlust betrug etwa 10 kg versus rund 1 kg.
Es geht um das Gewicht, nicht um den Shake
Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und Remission. Die Wahrscheinlichkeit einer Remission stieg klar mit den verlorenen Kilogramm: 7 Prozent bei weniger als 5 kg Verlust, 34 Prozent bei 5 bis 10 kg, 57 Prozent bei 10 bis 15 kg und 86 Prozent bei 15 kg oder mehr.
Das ist die eigentliche Botschaft: Nicht ein magischer Inhaltsstoff der Shakes bewirkt die Remission, sondern der erhebliche Gewichtsverlust, den die kalorienreduzierte Formula-Phase ermöglicht. Der Shake ist nur ein praktisches Werkzeug, um über mehrere Wochen ein starkes Kaloriendefizit durchzuhalten, ohne ständig selbst Portionen und Nährwerte abwägen zu müssen.
Halten die Effekte an?
Die 2-Jahres-Nachbeobachtung erschien 2019 in Lancet Diabetes & Endocrinology. Nach zwei Jahren befanden sich noch 36 Prozent der Interventionsgruppe in Remission (gegenüber 3 Prozent der Kontrolle), und 11 Prozent hatten mindestens 15 kg gehalten. Der mittlere Gewichtsverlust war von etwa 10 kg auf rund 7,6 kg zurückgegangen.
Das zeigt zweierlei: Der Effekt ist real und über zwei Jahre nachweisbar – aber er erodiert, wenn das verlorene Gewicht nicht gehalten wird. Remission ist eng an die Gewichtserhaltung gekoppelt, und genau diese ist erfahrungsgemäß der schwierigste Teil jeder Diät.
Was heißt das praktisch?
- Formula-Diäten sind kein Lifestyle-Produkt, sondern ein medizinisches Werkzeug. Der DiRECT-Erfolg beruht auf einem strukturierten, ärztlich begleiteten Programm – nicht auf gekauften Shakes ohne Plan.
- Wer Diabetes-Medikamente einnimmt, darf eine solche Diät nur in ärztlicher Begleitung beginnen. In DiRECT wurden Medikamente kontrolliert abgesetzt – das gehört zwingend in fachliche Hände.
- Der entscheidende Hebel ist der Gewichtsverlust selbst. Wer dauerhaft ein Defizit erreichen kann, profitiert auch über andere Wege – Formula ist eine Methode, das durchzuhalten, nicht die einzige.
- Die Wiedereinführung normaler Kost ist der kritische Schritt. Ohne Plan für die Zeit nach den Shakes kcommt das Gewicht meist zurück. Hier zählen Proteinzufuhr, sättigende Lebensmittel und realistische Portionen – etwa eine Banane statt eines Snacks mit leeren Kalorien.
- Behalten Sie Ihren Bedarf im Blick: Den Kalorienbedarf berechnen und auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten, um Muskelmasse beim Abnehmen zu erhalten.
Limitationen und Einordnung
Wichtige Einschränkungen sind zu beachten. DiRECT untersuchte ausschließlich Menschen mit relativ frischem Typ-2-Diabetes (höchstens sechs Jahre) – die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf gesunde Personen übertragen, die schlicht abnehmen wollen, oder auf Menschen mit langjährigem Diabetes. Das primäre Ziel war Diabetes-Remission, nicht Gewichtsabnahme an sich.
Die hohen Erfolgsraten gelten für ein intensiv betreutes Setting mit regelmäßigen Terminen und geschultem Personal. Frei verkäufliche Abnehmshakes aus Drogerie oder Online-Shop bieten diese Begleitung nicht – ein Vergleich mit DiRECT ist daher irreführend. Zudem nahm der Effekt nach zwei Jahren ab, was die Bedeutung dauerhafter Verhaltensänderung unterstreicht. Sehr niedrigkalorische Diäten können außerdem Nebenwirkungen haben und sind nicht für jeden geeignet.
Fazit
Die DiRECT-Studie belegt eindrucksvoll, dass eine ärztlich begleitete Formula-Diät bei Typ-2-Diabetes funktionieren kann – fast die Hälfte der Teilnehmer erreichte nach einem Jahr eine Remission. Der Wirkmechanismus ist aber kein Geheimnis im Shake, sondern der konsequente Gewichtsverlust und vor allem die strukturierte Wiedereinführung normaler Kost. Abnehmshakes sind ein nützliches Werkzeug für die Anfangsphase, ersetzen aber weder ärztliche Begleitung noch eine langfristig tragfähige Ernährungsumstellung.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sehr niedrigkalorische Formula-Diäten und das Absetzen von Medikamenten gehören in fachliche Begleitung. Bei Diabetes oder anderen Erkrankungen sprechen Sie vor einer solchen Diät mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wissenschaftliche Quellen
- [1]
Lean MEJ, Leslie WS, Barnes AC, Brosnahan N, Thom G, McCombie L, Taylor R, et al.. "Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial." The Lancet, 2018.
- [2]
Lean MEJ, Leslie WS, Barnes AC, Brosnahan N, Thom G, McCombie L, Taylor R, et al.. "Durability of a primary care-led weight-management intervention for remission of type 2 diabetes: 2-year results of the DiRECT open-label, cluster-randomised trial." The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2019.
Häufige Fragen
Funktionieren Abnehmshakes laut DiRECT-Studie wirklich?
Warum führte die Formula-Diät zur Diabetes-Remission?
Halten die Erfolge der Formula-Diät langfristig an?
Sind frei verkäufliche Abnehmshakes mit der DiRECT-Diät vergleichbar?
Für wen gelten die DiRECT-Ergebnisse?
Passende Rechner
Relevante Lebensmittel
Verwandte Artikel
Viszerales Fett: Das gefährliche Bauchfett innen erkennen und reduzieren
Viszerales Fett umhüllt die Organe und treibt das Diabetes- und Herzrisiko. Studien zeigen: Es schmilzt bei Gewichtsverlust überproportional schnell.
Grüner Tee und Stoffwechsel: Was die Meta-Analysen zum Abnehmen zeigen
Cochrane-Daten zeigen: Grüntee senkt das Gewicht im Schnitt nur um etwa 0,2 kg – klinisch kaum relevant. Was Catechine und EGCG wirklich bewirken.
Zucker reduzieren: Was Zuckerverzicht wirklich fuers Gewicht bringt
Was bringt Zuckerverzicht fuers Abnehmen? RCTs und WHO-Daten zeigen: Weniger freier Zucker senkt das Gewicht um rund 0,8 kg - vor allem ueber eingesparte Kalorien.
Abnehmen nach der Schwangerschaft: Was beim Zurück zum Wohlfühlgewicht hilft
Studien zeigen: Diät plus Bewegung lässt nach der Geburt mehr abnehmen als Diät allein - und moderates Defizit ist auch in der Stillzeit sicher.


